Neue IATF-Zertifizierungsvorgabe zur ISO/TS 16949 – 4.te Ausgabe

Die IATF hat zum 01.10.2013 eine neue verbindliche IATF-Zertifizierungsvorgabe zur Technischen Spezifikation ISO/TS 16949 in der Automobilindustrie als 4.te Ausgabe veröffentlicht. Davon betroffen sind sowohl die von der IATF zugelassenen Zertifizierungsgesellschaften, deren Zertifizierungsauditoren und alle nach ISO/TS 16949 zertifizierten Unternehmen.

Ab dem 01.04.2014 gelten neue, verschärfte Regeln für die Zertifizierung von QM-Systemen nach ISO/TS 16949 in der Automobilindustrie. Die neuen Zertifizierungsvorgaben zur ISO/TS 16949 sind seit dem 01.10.2013 anzuwenden mit einer Übergangsfrist von 6 Monaten.
Alle Zertifizierungsverfahren, d.h. Erstzertifizierung, Überwachung, Wiederholung, die ab dem 01.04.2014 stattfinden, sind nach den neuen Zertifizierungsvorgaben abzuwickeln. Alle betroffenen Zertifikate müssen bis spätestens 01.04.2015 angepasst werden.
Für die Praxis bedeutet dies die Anpassung des internen Auditprogramms und Berücksichtigung der neuen Anforderungen, z.B. in ergänzten Auditfragekatalogen, bei allen internen Audits, eine Qualifizierung der internen Auditoren, eine Weiterleitung der neuen Anforderungen durch den Einkauf an alle ISO/TS 16949 zertifizierten Lieferanten und die Lieferanten, die von ISO 9001 auf ISO/TS 16949 upgraden wollen.

Die wichtigsten Änderungen sind ohne Gewähr:

  • Geltungsbereich erweitert – wiederaufgearbeitete Teile, vom OEM beschafft, vom OEM freigegeben, Entfall der verlängerten Werkbänke
  • Anzahl Audittage betreffend Produktion – jede Produktionsschicht ist bei Audits mit einem Zeitaufwand von in Summe 1/3 der Gesamtauditzeit zu planen
  • Audittage bei Konzernschema (Multi-Site-Zertifizierung) verringert – gilt nur für Erst- und Rezertifizierungen, Audittage für Überwachungsaudits ergeben sich aus den reduzierten Audittagen der Erstzertifizierung
  • ISO 9001 Zertifizierung auf ISO/TS 16949 upgraden – ist bei anderem Zertifizierer nur möglich, wenn dieser vorher mindestens ein Überwachungsaudit nach ISO 9001 durchgeführt hat
  • Unterstützungsfunktionen auditieren – hat die Unterstützungsfunktion Produktentwicklungsverantwortung mindestens 1x pro Jahr. Bei Zertifizierungsaudit (Stufe 2) müssen entfernte Unterstützungsfunktionen vor den Standorten auditiert werden. Zusätzliche Audits an Unterstützungsfunktionen möglich, wenn Mängel in der Unterstützung am Produktionsstandort während des Audits ersichtlich werden.
  • Auditplanung – Zertifizierungsauditor muss mindestens 1 Stunde vor Ort vor der Eröffnungsbesprechung nutzen, um die vom Kunden an den Zertifizierer eingereichten Informationen zu verifizieren, schließt Abgleich Kundeninternetauftritte ein, KEIN Abzug dieser Zeit von der Auditzeit.
  • Auditumfang – priorisiert wird der Prozess der Lenkung kundenspezifischer Forderungen / OEM Forderungen. Zugehörige Schulungen beachten, insbesondere Aktualität.
  • Management von Abweichungen durch das Unternehmen – Grundursache(n) (Rootcause) ist mit Angaben zur Analysemethode zu ermitteln, bei der systematischen Korrekturmaßnahme sind für die nachhaltige Beseitigung der Abweichung die Auswirkung auf ähnliche Prozesse und Produkte zu berücksichtigen, die Wirksamkeit umgesetzter Korrekturmaßnahmen ist zu verifizieren (Nachweis!) – innerhalb von 60 Tagen!
  • Bewertung Korrekturmaßnahmen durch Zertifizierer – eine Abweichung kann vom Zertifizierer als offen, aber 100% gelöst eingestuft werden, wenn a) die Sofortmaßnahme(n) ein Kundenrisiko abwenden, b) ein Maßnahmenplan vorhanden ist, c) ein Nachaudit durchgeführt wurde
  • Nachaudit vor Ort – Nichtbestehen einer Vorort Verifizierung durch den Zertifizierer führt bei Hauptabweichungen zum Zertifikatverlust!, bei Nebenabweichung erfolgt eine Umstufung in eine Hauptabweichung! – Verifizierung der wirksamen Umsetzung von Korrekturmaßnahmen!
  • Berater dürfen zum Zeitpunkt des Audits weder präsent sein, noch in irgendeiner Weise am Audit teilnehmen
  • Informationspflicht durch das Unternehmen an die Zertifizierungsgesellschaft über Änderungen im Unternehmen, Nichtinformation wird als Vertragsbruch angesehen und kann zum Entzug des ISO/TS 16949 Zertifikat führen
  • Wechsel der Zertifizierungsauditoren in einem Auditzyklus
  • Special Audits oder außerordentliche Audits bei Beschwerden von Kunden bzgl. der Leistung, wegen Änderungen am Qualitätsmanagementsystem, bei wesentlichen Änderungen eines Produktionsstandorts oder als Folge der Suspendierung eines Zertifikats

Wichtig: Wie bei allen Neuerungen besteht die Gefahr der überscharfen Anwendung. Bis sich die neuen Anforderungen praxistauglich anwenden lassen – vgl. SI und FAQ – stimmen Sie sich im Zweifel immer mit der Zertifizierungsgesellschaft VOR dem Audit Erstzertifizierung, Überwachung oder Wiederholung ab!
 
Weitere Details:
→ www.vda-qmc.de
→ www.iatfglobaloversight.org
 

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